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Kaisersaal Schloss Schwarzburg - Ruhmeshalle und Ahnensaal

Am 10. Januar 1695 vernichtete ein Brand Teile der Schlossanlage Zeughaus Schwarzburg. Die sich anschließenden Auf- und Umbauarbeiten unter Graf Albert Anton von Schwarzburg-Rudolstadt betrafen auch den Bereich um das heutige Kaisersaal-Gebäude. Auf der Fläche am Ende des Bergsporns, in südlicher Richtung, entstand eine dreiteilige Pavillongruppe, das sogenannte Gartenhaus. Im Jahre 1704 war die Erweiterung des Hauptgebäudes abgeschlossen. Zwischen Gartenhaus und Hauptgebäude existierte nun ein 43 Meter langer Verbindungsgang, die später sogenannte „Kaisersaal-Gallerie“. Dieser Korridor, der in erster Linie dem Wetterschutz diente, verband das erste Obergeschoss des Hauptgebäudes mit dem des Kaisersaalgebäudes, folglich die herrschaftlichen Wohnräume mit dem Gartensaal. 1940/1941 wurde die Kaisersaal-Galerie abgerissen.

Mit der Erhebung der Schwarzburger Grafen in den Reichsfürstenstand im Jahre 1710 gelangte das Gartenhaus in den Fokus weiterer Umbauarbeiten. Zwischen 1713 und 1719 erhielt das Gebäude seinen bildkünstlerischen Ausdruck in dem imposanten Kaisersaal oberhalb des im Erdgeschoss gelegenen Gartensaales und damit den noch heute charakteristischen Dachaufbau mit Laterne. Der mittlere Gebäudeteil wurde nicht nur durch den Dachaufbau, sondern auch durch seine zweigeschossige Front mit Dreiecksgiebel hervorgehoben, während die Seitentrakte mit Mansarddach eher zurücktraten. Der Kaisersaal, der als Ruhmeshalle und Ahnensaal der schwarzburgischen Dynastie diente, zeigt neben Kaiserbildnissen des Heiligen Römischen Reiches von Gaius Julius Caesar bis Karl VI., auch den lediglich für sieben Monate regierenden römisch-deutschen König Günther XXI., Graf von Schwarzburg-Arnstadt (1304 - 1349) als Ahnherren des Hauses Schwarzburg. Von den ursprünglich 48 lebensgroßen Darstellungen sind durch den Umbau 1870/71 und Eingriffe ab 1940 einige verloren gegangen. So fehlen seitdem die Gemälde der dritten, obersten Reihe. Bekrönt wird das Bildprogramm durch ein Deckengemälde im lichtdurchfluteten Kuppelbereich der Laterne, das auf die Gründungslegende des Hauses Schwarzburg und damit auf die altehrwürdige Abstammung von römischem Geschlecht sowie auf den Dienst für Kaiser und Reich verweist. Umgestaltungen des 19. Jahrhunderts und Sanierungen des 20. Jahrhunderts haben Hinweise über die anfängliche Gestaltung der Wände des Kaisersaales vernichtet, sodass hier keine Aussage mehr getroffen werden kann. Ein Auszug aus dem Inventar des Schlosses Schwarzburg aus dem Jahre 1723 gibt aber einen kleinen Einblick in die Möblierung.

Schwartzburg. Inventarium Anno 1723

„[…]

In dem Kayser Saal

In welchen alle Röhmische Kayser Vom Julio Cesare als 48 in Lebens Größe auf Leinwand und 100 Köpfe in Fresco gemahlt. / Vier gemahlte Doppel Thüren mit Englischen Schlößern / Ein Theil von einer Drey theiligen Taffel / Eine Oval Taffel worauf ein Teppicht von grünen Tuche / Eine Lederne Decke / SechZehn Stühle grünen Tuch überzogen / Sechs Fenster iedes mit 4 Flügeln und schwarzen Beschlägen / Zwölff Fenster ohne Flügel an der obern äußern Gallerie / (…)

[…]

Im südlichsten Bereich des Bergsporns befindet sich der Schlossgarten mit einer Größe von etwa einem halben Hektar, direkt vor dem Kaisersaalgebäude. Die Entstehung des Gartens geht auf die Zeit nach dem Brand von 1695 zurück. Anhand von Rechnungen und Inventareinträgen lässt sich erkennen, dass Wasserspiele arrangiert, Wege angelegt und Skulpturen aufgestellt worden sind. Ab 1787 wurde der Garten jedoch privat verpachtet und verwahrloste zusehends. Auf Initiative des Schlosshauptmanns Holleben konnte 1825/26 die barocke Gartenanlage wiederhergestellt, löste sich jedoch im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts endgültig auf. 1892 wurde vor dem Kaisersaalgebäude ein Tennisplatz angelegt, der bis 1905 in dieser Form bestand, bevor eine große Rasenfläche angelegt wurde.

Tagebuch 1901 (Anna Luise von Schwarzburg-Rudolstadt)

Das Erdgeschoss des Kaisersaalgebäudes diente als „Gewächshauß“ oder Orangerie der Überwinterung von exotischen, nicht winterharten Kübelpflanzen, wobei die Zitrusgewächse im 18. Jahrhundert, auch aus mythologischer Sicht, besonders beliebt waren. Im Obergeschoss, auf gleicher Ebene mit dem Kaisersaal, befanden sich in den Seitentrakten die fürstlichen Appartements. Im Jahre 1776 musste der westliche Seitentrakt, ursprünglich wohl das Appartement des Fürsten, aus statischen Gründen abgetragen werden. Der Osttrakt, das Appartement der Fürstin, beherbergte neben einem Bilder- und Spiegelkabinett ein Zimmer mit japanischen Lacktapeten. Um 1870/71 wurde die barocke Ausstattung des Kaisersaals durch ein neues Programm ersetzt. Doch schon 1940 wurde diese Ausgestaltung weitgehend zerstört.

Im Zusammenhang mit der Restaurierung des Kaisersaalgebäudes wurde auch das gärtnerische Umfeld neugestaltet. Höhere Pflanzungen wurden entfernt, in Anklängen wurde die Gartensituation des 18. Jahrhunderts wiederhergestellt. So findet sich das Motiv des Kreuzwegs, allerdings ohne zentrale Fontäne. Im Jahr 2000 konnte neben der Sanierung der Terrassen-Stützmauern auch eine Überarbeitung des Schlossgartens erwirkt werden, um den Bezug zwischen Gebäude und Gartenanlage auf Grundlage des barocken Gartenplan von 1744 und 1825 wieder erfahrbar machen zu können.